Der Caraphex
Der Caraphex gehört zu den gefürchtetsten Bewohnern der Zentralwüste Ariduns. Sein gedrungener Körper wird von übereinanderliegenden Panzerplatten geschützt, die an das Gürteltier erinnern, während ein langer, segmentierter Skorpionschwanz über seinem Rücken ruht. Ausgewachsene Exemplare erreichen eine Körperlänge von etwa einem bis anderthalb Metern, wobei der Schwanz zusätzlich fast einen Meter lang werden kann. Ein ausgewachsener Caraphex wiegt meist zwischen vierzig und achtzig Kilogramm und reicht einem Menschen ungefähr bis zur Hüfte. Ihre Färbung variiert zwischen staubigem Beige, Sandbraun und ausgeblichenem Grau, wodurch sie in der Wüste beinahe unsichtbar werden.
Tagsüber verbringen Caraphex den größten Teil ihrer Zeit eingegraben im Sand oder verborgen zwischen Felsen. Erst nach Sonnenuntergang verlassen sie ihre Verstecke und durchstreifen die Wüste auf der Suche nach Nahrung. Dabei verlassen sie sich weniger auf ihre Augen als auf ihren außergewöhnlichen Geruchssinn.
Obwohl ihr Skorpionschwanz ein starkes Gift enthält, setzen sie ihn nur zur Verteidigung oder bei der Jagd ein. Das Gift verursacht zunächst brennende Schmerzen, gefolgt von Muskelkrämpfen, Fieber und Orientierungslosigkeit. Ein gesunder Erwachsener überlebt einen Stich meist, doch geschwächte Reisende oder Kinder sterben nicht selten an den Folgen.
Die Nahrung des Caraphex besteht überwiegend aus Kadavern, Knochen und allem, was andere Tiere zurücklassen. Ihre Kiefer sind stark genug, um selbst dicke Knochen aufzubrechen und das darin enthaltene Mark zu erreichen. Viele Gelehrte vermuten, dass diese Fähigkeit der Grund für ihre erstaunliche Widerstandskraft ist. In den langen Hungerzeiten der Wüste können sie noch von Überresten leben, die für andere Kreaturen längst wertlos wären.
Wasser nehmen Caraphex nur selten direkt auf. Die feinen Rillen ihrer Panzerplatten sammeln nachts die geringe Feuchtigkeit der Wüstenluft. Wenn die Temperaturen fallen, kondensiert Tau auf ihrem Rücken und wird über kleine Kanäle zum Maul geleitet. Dadurch können sie Monate überleben, ohne jemals eine Wasserquelle aufsuchen zu müssen.
Das Fleisch eines Caraphex gilt als nahezu ungenießbar. Zwar haben Hungernde immer wieder versucht, die Tiere zu essen, doch ihr Fleisch verursacht häufig schwere Magenkrämpfe, Erbrechen und tagelange Schwäche. Manche behaupten sogar, dass ein Teil des Giftes dauerhaft im Körper gespeichert wird. Aus diesem Grund werden Caraphex nur selten gejagt. Deutlich wertvoller sind ihre Panzerplatten, die von Handwerkern zu Schilden, Werkzeuggriffen oder Schutzplatten verarbeitet werden.
Für Karawanen gilt eine einfache Regel:
Wo ein Caraphex seine Höhle gegraben hat, sollte man vorsichtig treten.
Denn wer einen bemerkt, hat oft bereits mehrere andere übersehen.
