Die Tahori - der Muschelkäfer

Über den Lebenszyklus der Tahori ist nur wenig bekannt. Die meisten Bewohner Ariduns wissen lediglich, dass die Tiere etwa ein Jahr als Larven verbringen und nach ihrer letzten Häutung nur noch wenige Wochen leben. Erst in ihrer ausgewachsenen Form erreichen die Muschelkäfer ihre volle Größe von ungefähr einer Faust und entwickeln die charakteristischen Filterfächer, mit denen sie Wasser reinigen. In dieser kurzen Lebensphase halten sie Wasser mit erstaunlicher Effizienz frisch und werden deshalb in nahezu jedem Wasserfass mitgeführt. Ein gewöhnliches Fass von etwa zweihundert Litern enthält meist vier ausgewachsene Tahori. Erfahrene Händler achten dabei weniger auf die Wassermenge als auf den Zustand der Tiere, denn ein Fass ohne gesunde Muschelkäfer gilt vielen bereits als halb verdorben.

Was jedoch kaum jemand außerhalb der Kabale der Śārāp̄ weiß, ist, dass erwachsene Tahori sich nur unter ganz bestimmten Bedingungen fortpflanzen können.

Die Kabale lebt in einem weit verzweigten Höhlensystem innerhalb eines Berges. Tief im Inneren verlaufen natürliche Schächte und Felsspalten bis zur Oberfläche. Einmal im Monat, wenn bestimmte Temperaturunterschiede zwischen den oberen und unteren Ebenen des Berges entstehen, setzt ein gewaltiger Fallwind ein. Kalte Luft stürzt durch die Schächte in die Tiefe und erzeugt dabei ein tiefes, durchdringendes Heulen.

Dieses Ereignis dauert meist nur wenige Stunden.

Für die Bewohner der Kabale ist es ein vertrautes Naturphänomen.

Für die Tahori ist es der Ruf zur Fortpflanzung.

Die Schwingungen des Windes durchziehen die Höhlen und versetzen Wasserbecken, Felswände und selbst die Panzer der Tiere in Resonanz. Erst diese besondere Klangfolge löst bei den ausgewachsenen Tahori die letzte Phase ihres Lebenszyklus aus. Ohne sie paaren sich die Tiere nicht. Selbst gesunde Exemplare bleiben außerhalb der Höhlen unfruchtbar und sterben schließlich, ohne Nachkommen zu hinterlassen.

Deshalb sind zahllose Versuche gescheitert, die Tiere an anderen Orten zu züchten. Manche Gelehrte vermuten besondere Mineralien im Gestein, andere glauben an eine bislang unbekannte Eigenschaft des Wassers. Die Kabale selbst widerspricht solchen Theorien nicht, verrät jedoch auch nichts über die tatsächlichen Ursachen.

Innerhalb der Śārāp̄ gilt der monatliche Fallwind als heilige Zeit. Dann werden die Zuchtbecken geöffnet, die erwachsenen Tahori zusammengeführt und die Höhlen von einem tiefen, fast singenden Dröhnen erfüllt. Wenige Tage später sterben die meisten ausgewachsenen Tiere. Zurück bleiben nur ihre Gelege und eine neue Generation von Larven, die ein weiteres Jahr im Schutz der Höhlen heranwachsen wird.